DEUTSCHE GESELLSCHAFT e.V
Voßstraße 22
D-10117 Berlin

 

Bevollmächtigter Geschäftsführer

 

Herrn Dr. Andreas Apelt (persönlich)                                                                               02. Mai 2011

 

Dieses ist ein offener Brief zu einem „Skandal im Deutschen Bundestag“, der verheimlicht wird, aber Hunderttausende Opfer betrifft.

 

 

Sehr geehrter Herr Dr Apelt,

neben vielen anderen Aktivitäten Ihres Hauses ist es lobens- und anerkennenswert, dass die Fotoausstellung »TATORT-FOTOS eines Verbrechens in Deutschland. Die Mauer 1961-1989« von der Deutschen Gesellschaft e. V veranstaltet wird und in ihren Räumen stattfindet.

Dass aber ausgerechnet ein ehemaliger Stasi-Spitzel (IM „Czerny“) eine solch bemerkenswerte Ausstellung unter diesem Titel miteröffnet (neben Herrn Ludwig A. Rehlinger), ist erneut ein Schlag ins Gesicht aller MfS/Stasi-Opfer und politisch-ehrlichen Menschen. Es dient nicht dem Andenken der Menschen, die an der, von den kommunistisch-sozialistischen Diktatoren errichteter Mauer und Grenzbefestigen getötet wurden.

Wenn dieser IM „Czerny“ = Lothar de Maiziére auch zur Eröffnung dieser Ausstellung und nun zum wiederholten Male sehr vehement und aus Überzeugung öffentlich und vor der Presse äußert, dass die DDR kein Unrechtsstaat war, dadurch die Bespitzelungen, Inhaftierungen, Überwachungen und Verfolgungen des eigenen Volkes, dass bedrohliche Eindringen in die Privatsphäre und vieles mehr zu relativieren versucht, zeigt das sehr genau die politische Denkweise und persönliche Einstellung dieser Person.

Damit verhöhnt er immer wieder die Opfer des DDR-Terrors und meint, die Stasi war doch gar nicht so schlecht, denn er selbst war doch involviert.Wenn Herr Roland Jahn, neuer Leiter und Vorsitzender des BStU in der Tagesschau vom 25.04.11 öffentlich ankündigt, die noch tätigen ehemaligen MfS-Mitarbeiter (47) dort nicht weiter zu beschäftigen, sollten auch „Skandale“ wie der der Richterin (IM „Ines“) am Sozialgericht Neuruppin (siehe beigefügte Artikel) der Öffentlichkeit bekannt gemacht und umgehend gehandelt werden. So sollte auch der „brisante Fall Lothar de Maiziére“ - bzw. IM „Czerny“ offen behandelt werden.

Zu dem hier angesprochenen Fehlverhalten der Politik (beigefügtes zweiseitiges Schreiben zum Bundestag und sogenannten Repräsentanten) und dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft e.V liegen zu dieser Unperson auch Fälle von Beeinflussungen im damaligen politischen Strafvollzug der Staatssicherheit der DDR zur psychiatrischen Selbsteinweisung (Nötigung im Auftrag?) vor.Wenn aber alle Opferverbände und Einzelpersonen eine politische Hygiene in Bezug auf ehemaligen Stasi-Mitarbeiter, Denunzianten und MfS-Zuträger einfordern, und das mit Recht, kann und muss ein solcher Fall L. de Maiziére alias IM „Czerny“ der breiten Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt werden.

Eine solche unrühmliche Person hat z. B. als Ehrenvorsitzender der Deutschen Gesellschaft keine Berechtigung.

Fälle wie IM „Ines“ und IM „Czerny“ und weitere sind aus unserer Gesellschaft zu verbannen. Oder??

Somit stellt sich zwingend die Frage, wie geht das Leitungsgremium der Deutschen Gesellschaft mit dem ehemaligen Stasi-Zuträger, für eine verbrecherische Diktatur, als dem (z. Zt. noch) Vorsitzenden dieses Vereins, um?

Wie rechtfertigen Sie den (noch) Verbleib dieser Person vor dem deutschen Volk und besonders den heute noch z.T. traumatisierten Opfern???

Ich bitte, beigefügte Unterlagen sehr aufmerksam zu lesen und mir eine Antwort zukommen zu lassen.

Für ein Gespräch stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit

Ihre Antwort erwartend verbleibe ich mit freundlichen Grüßen.

gez. Willy H. Schreiber (10. Okt. 2011 – 09:12)

Um Eigangsbestätigung dieser Sendung wird gebeten.

 


Lit.-Tipp 1:

Deutschland 1990 / [Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Zentrales Dokumentationssystem. Bearb.: Anna Maria Kuppe]. - 53. Staatssicherheitsdienst (STASI). - Bonn : Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, 1993. - 824 S.

Lit.-Tipp 2:

Behling, Klaus; Eik, Jan
Vertuschte Verbrechen : Kriminalität in der Stasi / Klaus Behling ; Jan Eik. - 1. Aufl. - Leipzig : Militzke, 2007. - 224 S. ; 212 mm x 140 mm, 400 gr. ISBN 978-3-86189-769-9