Berliner Mauerkunst″ muss folgende Kriterien erfüllen:

a: in der Zeit zwischen dem 13. August 1961 und dem 9. November 1989 entstanden sein;
b: die Graffiteure und Künstler wirkten grenzüberschreitend, d.h. sie verließen Berlin (West) bzw. die Bundesrepublik Deutschland und betraten illegal das „KZ″-DDR. Sich selbst präsentierte der Unrechtsstaat allerdings als die sogenannte Deutsche Demokratische Republik (DDR);
c: „Berliner Mauerkunst″ fand statt an einer Mauer (Vorderlandmauer, Grenzmauer-75) des „Antifaschistischen Schutzwalls″;
d: der „Antifaschistische Schutzwall″ war militärisches Sperrgebiet und unterlag strengster Geheimhaltung;
e: ca. 7000 sogenannte Grenzsoldaten (Grepos), vergattert mit dem SED-Mordbefehl, standen im sogenannten Handlungsbereich der Grenztruppen und schossen erbarmungslos sogenannte Republikflüchtlinge nieder.

Das waren zumeist unbewaffnete Kinder, Frauen und Männer, die von den SED-Mördertrupps wegliefen. Schüsse in den Rücken und unterlassene Erste Hilfe für die Opfer waren an der sozialistischen Tagesordnung;
f: die sogenannten Grenztruppen der DDR gelobten die Unverletzbarkeit der Staatsgrenze der DDR zu Berlin (West);
g: mit dem Fall der SED und der Vereinigung beider deutscher Staaten hörte auch „Berliner Mauerkunst″ auf zu existieren.

Kunst nach der Entmilitarisierung der Nationalen Volksarmee (NVA), der Grenztruppen (GT) und der Aufhebung des Status eines militärischen Sperrgebietes, auch an Mauern des ehemaligen „Antifaschistischen Schutzwalls″ ist demzufolge keine „Berliner Mauerkunst″ im engeren Sinne, sondern lediglich Kunst an einer Mauer in Berlin.

An der Mauer der Schande schrieben und malten im Zeitraum August 1961 bis zum Mauerfall im November 1989 folgende z. B. Künstler:

Yadegar Asisi, Franco Bartoletti, Blümchen, Carl-Wolfgang Holzapfel, Jonathan Borofsky, Christophe Bouchet, Kiddy Citny, Robin Cooke, Mark Eins, Stephan Elsner, Ron English, Rainer Fetting, Michael Gremenz, Alexander Hacke, Richard Hambleton, Keith Haring, Deborah Kennedy, Jürgen Mann, Thierry Noir, Marianne Sanders, Peter Unsicker, David Wojnarowicz.

Performance-Kunst im Schatten der Mauer wurde veranstaltet von Lilly Berlin (Bel Amy, Ostberlin - Wahnsinn), PVC, Die Tödliche Doris (Naturkatastrophenballett, Naturkatastrophenkonzert) und andere Bands.

Filmkunstwerke mit und über die Mauer schufen Gerd Conrad (Ein-blick), Marianne Sanders & Jürgen Mann (Instandbesetzung), Anton Roca (Manoscritti), Peter Unsicker (Währungsgrenze)  ... weiterschreiben ...

Nach-Wende-Kunst fand hauptsächlich entlang der Friedrichshainer Mühlenstraße (East Side Gallery) statt. Als Kunstobjekt entstanden bemalten 116 etablierte Künstler eine Hinterlandmauer des ehemaligen Antifaschistischen Schutzwalls. Alle Kategorien, die „Berliner Mauerkunst″ charakterisieren, treffen hier nicht zu. Bei der East-Side-Gallery-Bemalung handelt es sich also um Kunst an einer Mauer in Berlin, die vor dem Fall der SED und der Anschaffung der DDR zum Antifaschistischen Schutzwall gehörte. Im Vergleich zur „Berliner Mauerkunst″ entstanden Kunstwerke etablierte internationaler Künstler, die mehr oder weniger das Leben in und den Untergang der DDR darstellten. „Berliner Mauerkunst″ war illegal, viel wilder und eine Mischung aus Establishment und Underground. Diese Komponente hätte der East Side Gallery ebenfalls eine interessante Komponente verleihen können, wenn das Bauwerk nicht unter Denkmalsschutz stehen würde und wildes Bemalen verbieten würde. So ist die East Side Gallery zwar zu einem Berliner Touristenmagneten geworden, inhaltlich aber museal und in den meisten Werken ziemlich künstlich.

Alle anderen Mauersegmente, die von ehemaligen Mauerkünstlern und sympathisierenden Künstlern zur Rettung an Originalstandorten bemalt wurden, sind vollständig entfernt worden. Dazu gehörten Mauersegmente der Hinterlandmauer am Potsdamer Platz.

Eine Sonderstellung nimmt das Parlament der Bäume des Künstlers Ben Wagin ein. ...

Künstler, auf deren Werke der Begriff „Berliner Mauerkunst″ nicht mehr anwendbar ist, sind:

...


Tipp 1: Berliner Mauerkunst : eine Dokumentation / von Ralf Gründer. - Köln ; Weimar ; Wien : Böhlau, 2007. - 352 S. : überw. Ill. ; 22 cm.
ISBN 978-3-412-16106-4 (Berliner-Mauer-Shop)

Tipp 2: Berliner Mauermalerei : ein dokumentarischer, multimedialer Spaziergang entlang der Berliner Mauer in der Zeit vor und während des Mauerfalls 1989 ; [CD-ROM] [CD-ROM]. - Berlin : Gründerzeit Verl., [1999]. - 1 CD-ROM + 1 Beih. - Systemvoraussetzungen: Windows 95/98; 486 PC 100 MHz; 32 MB RAM, besser 112 MB; Soundkarte 16 Bit; CD-ROM-Laufwerk (double-speed); Grafikkarte 800x600 Pixel, True Color. - USK: Info- Lehrprogramm gemäß § 14 JuSchG / Eigenvergabe 109j.
ISBN 3-9806893-0-1

 

 

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