Auf ‚westlicher′ Seite der Sektorengrenze patrouilierte das Westberliner Kommando der Schutzpolizei. Die Schutzpolizisten hatten die Aufgabe, Zwischenfälle an der Sektorengrenze zu verhinden.

Hauptsächlich lassen sich folgende Arten der Zwischenfälle unterscheiden:

- Schutz für Zonenflüchtlinge

- Demonstrationen an der „Schandmauer” zu kontrollieren

An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass ca. 5 bis 8 Meter ‚westlich’ der Sperranlagen noch ungekennzeichntes Teritorium der DDR befand. Diese Arelae durften von der Westberliner Polizei nicht betreten werden. Hier patrouilierten die Alliierten Sieger- bzw. Schutzmächte.

In täglichen Berichten wurden die Ereignisse an der Sektoren- und Zonngrenze dokumentiert.

Am 13.9.1961 meldete die Schutzpolizei folgendes: Betr.: Ereignismeldungen: Lage an der Sektor- und Zonengrenze (Seite 4): Menschliches Verhalten der Vopo - Am 12.9.1961, 20.00 Uhr, half ein 19jähriger Vopo einer 41jährigen weiblichen und 18jährigen männlichen Person, mit denen er weder verwandt noch bekannt war, beim Überklettern der Sperrmauer in N65, Wilhelm-Kuhr-Straße/Nordbahnstraße. Danach stieg er selbst über die Mauer und meldete sich als Flüchtling (...). Der Vopo wird auf Veranlassung der S. fotografiert."

Am 16. Oktober 1961 meldete die Schutzpolizei folgendes:

7. Ein 17jähriger männlicher Flüchtling stürzte bim Abseilen aus dem 2. Stock Ackerstraße 43 Ecke Bernauer Straße in Höhe des 1. Stockwerkes infolge Seilrisses auf den Gehweg Westsektor ab. Er wurde mit mehreren Knochenbrüchen in das Lazarus-Krankenhaus eingeliefert.

8. Der Libanese Khayat versuchte am 15.10.61, nach einem vergeblichen Versuch um 00.10 Uhr, gegen 13.35 Uhr am Sektorgrenzübergang Friedrichstraße in Anwesenheit von ca. 60 Pressevertretern und 150 Schaulustigen erneut in den SBS zu gelangen, wurde jedoch wiederum zurückgewiesen.

9. Am 15.10.61, von 14.25 bis 16.40 Uhr, wurden 2 US-Pkw mit 4 Amerikanern in Zivil an der Mauer Ecke Friedrichstraße im SBS von Vopo festgehalten.

Ein weiterer US-Pkw mit 5 Frauen des US-State Departments wurde von 17.40 bis 18. 10 Uhr am Sektorgrenzübergang Friedrichstraße an der Einfahrt in den SBS gehindert. Erst nachdem ein US-Offizier die Führung des Kfz. Übernommen hatte, wurde die Einfahrt gestattet. Das Fahrzeug kehrte um 18.15 Uhr ohne Zwischenfälle zurück.

Gegen 18.40 Uhr wurde einem US-Pkw mit 2 weiblichen Insassen die Einfahrt am Sektorgrenzübergang Friedrichstraße in den SBS durch Vopo verwehrt. Nach Verhandlung zwischen US-Offizier und Vopo wurde gegen 19.15 Uhr auf die Einfahrt verzichtet.

Am 16.10.61, gegen 19.40 Uhr, fuhr General Clay in Begleitung des Generals Hartel am Sektorgrenzübergang Friedrichstraße in den SBS ein und kehrte 19.58 Uhr, ohne im SBS angehalten worden zu sein, zurück.



Tipp 1: Einzigartige Bewaffnung bewährte sich - Vopo fürchtet Polizei-Kameras, Die Welt, 30.11.1962, Fundstelle BStU

Tipp 2: Alle Grenzkommandos sind mit Kameras ausgestattet, Polizei-Aktion abgeschlossen - Zur Dokumentation des Unrechts an der Mauer, Die Welt, 15.09.1964

Zitat:

Als eine der wirksamsten „Abwehrwaffen“ gegen Übergriffe der sowjetzonalen Grenzpolizisten und Vopos an der Mauer und den Stacheldrahtbarrieren der Zonen- und Sektorengrenze rings um Westberlin hat sich der Fotoapparat erwiesen. Das Kommando der Schutzpolizei in Westberlin hat bereits achtzig hochwertige Kameras mit einer leistungsstarken Optik zur Verfügung. Außerdem werden zwei Schmalfilm-Kameratrupps ausgebildet, die als „Alarm-Kommando“ in kurzer Zeit einsatzbereit sind. Schutzpolizei-Kommandeur Hans Ulrich Werner erklärte gestern, daß inzwischen ein umfangreiches Archiv mit Fotos von sowjetzonalen Grenzpolizisten, dazu hunderte Meter Schmalfilm angelegt wurden, dessen Auswertung wichtige Unterlagen ergeben habe.

Quelle: Die Welt, 30.11.1962 (Khh)

Zitat:

Die Polizei hat jetzt eine Ausrüstung aller an der Sektoren- und Zonengrenze eingesetzten Einheiten abgeschlossen, die bezeichnend für unsere Zeit ist: 58 Kameras wurden im Laufe der Zeit ausgegeben und Hunderte von Polizisten in Lehrgängen mit dem Fotografieren gründlich vertraut gemacht. Aus kleinen Anfängen ist inzwischen ein Archiv mit Fotos von Zwischenfällen und Vorkommnissen an der Grenze entstanden, das für die Dokumentation in späteren Jahren von außerordentlicher Bedeutung werden dürfte.

Quelle: Alle Grenzkommandos sind mit Kameras ausgestattet, Polizei-Aktion abgeschlossen - Zur Dokumentation des Unrechts an der Mauer, Die Welt, 15.09.1964

 

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