Der sowjetzonale Havel-Kanal

Das häufig vorgebrachte Argument, eine Stadt sei nicht zu trennen, dient nur der Verschleierung der Tatsache, dass der Westen tatenlos zugesehen hat, wie die Sowjet-Zone unermüdlich die Abspaltung vorangetrieben hat. Um auch der Transport auf den Wasserstraßen zwischen der Sowjet-Zone und dem sowjetischen Sektor nicht durch die westlichen Sektoren abwickeln zu müssen, wurde frühzeitig mit der Realisierung des Havel-Kanals begonnen.

 

In einer schon 1952 veröffentlichten Studie der Bundesregierung heißt es:

 

„Um auch im Wasserstraßenverkehr nicht auf eine Zusammenarbeit mit dem freien Westberlin angewiesen zu sein, beschloss der „Ministerrat der DDR“ am 19. April 1951, einen Umgehungskanal zwischen Paretz und Nieder-Neuendorf, den sogenannten Havel-Kanal zu bauen. Die Begründung lautete, der Kanal diene „der Verbesserung des Schifffahrtsweges und zur Beschleunigung des Schiffsverkehrs zwischen Elbe und Oder″.

 

Die Fadenscheinigkeit dieser Begründung wird deutlich, wenn man die Ausführungen der sowjetzonalen Zeitschrift „Der Verkehr“ vom Juli 1952, S. 200 betrachtet. Hier heißt es: „Die Binnenschiffe unserer Deutschen Demokratischen Republik können jetzt, ohne den Schikanen der Westmächte im Westsektor Berlins ausgesetzt zu sein, ihre wertvollen Ladungen termingerecht an die Empfangsorte bringen.″

 

Durch die Errichtung des Kanals entfiel die Möglichkeit für den Westen, die Ladungen dieser Transporte auch nur im entferntesten beobachten zu können. Mit anderen Worten: Die sowjetisierten Deutschen konnten vom Westen unbeobachtet Rüstungsgüter zwischen Ostberlin und der Sowjet-Zone verschiffen.

 

Am 28. Juni 1952 wurde der Kanal dem Verkehr übergeben. Seitdem zweigt die Wasserstraße bei Niederneuendorf aus der Havel-Oder-Wasserstraße ab und mündet erst wieder in der Nähe von Paretz in den Sacrow-Paretzer-Kanal (Untere Havel-Wasserstraße).

 

 

 

 

Lit.: Die Flucht aus der Sowjetzone und die Maßnahmen des kommunistischen Regimes vom 13. August 1961 in Berlin, Kapitel II. DIE SPERRMASSNAHMEN AM 13. AUGUST 1961 IN BERLIN, Hrsg. Vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, Bonn und Berlin, Seiten 32 – 36; Texterkennung und Hervorhebungen durch Ralf Gründer, Redaktion Berliner-Mauer.de
Kartografie: Havalkanal

 

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